Buddha trifft Trotzki im Kühlschrank-Tresor


 

B

 

Buddha | Einst musste der historische Buddha noch viele Wochen hart unter seinem Bodhibaum meditieren. Heute hockt sein Nachfolger faul in der Sonne und erreicht doch das seinerzeitige Ziel: die Erleuchtung! Erleuchtung? Dafür sorgt heute schnöde Technik. Der Solar-Buddha mit eingebautem LED-Strahler ist zwar nicht aus Fleisch und Blut. Dafür verfügt er über eine Solarzelle, die seinen Akku tagsüber speist, und eine LED-Leuchte, die „der Figur bei Dunkelheit ihre besondere Ausdruckskraft verleiht“, wie die Packungsprosa verkündet. Der 17-Euro-Buddha aus dem Discountmarkt Thomas Philipps beweist: Megatrends lassen sich durchaus preisgünstig miteinander verschmelzen. In diesem Fall: der Trend zu fernöstlichen Kitsch und der Trend, auf jeden überflüssigen Tand noch eine Solarzelle zu pappen wie ein Sahnehäubchen auf einen Misthaufen.

Der Freitag vom 29.10.2009

 

Bowling | Das Spiel unterscheidet sich vom Kegeln in einigen wichtigen Punkten: Die Kugel heißt auf englisch „ball“ und hat Fingerlöcher zum Reingreifen. Die Kegel nennt man nicht Kegel, sondern „Pins“, es gibt zehn davon und wenn man die allesamt umlegt, ruft man nicht „Alle Neune“, sondern „Strike!“. Das ist längst aber nicht alles an Unterschieden. Denn, last but not least, können Bowlingbälle inzwischen ferngesteuert werden. Kleine Einschränkung: Der in seiner Laufbahn manipulierbare Bowlingball RC900, entwickelt von der texanischen Firma 900Global, 1.500 Dollar Ladenpreis, ist noch kein Massenphänomen. Noch lässt sich ganz individuell mit dem Ball protzen, der sich sogar in einer Art Slalom lenken lässt, zum Beispiel durch die Beine dreier Hocker, die rechts und links auf der Bahn stehen. Auf dem Hindernisparcours rollt und blitzt und blinkt der RC900 in der Modefarbe Weiß. Was das alles soll? Die Sinnfrage dieser Erfindung stellen allenfalls Kegelvereinsmitglieder. Aber die sind ja auf der anderen Bahn.  youtube.com/watch?v=31vdI-tlyX0

Der Freitag vom 7.1.2010

 

F

 

Fuß-Bräuner | Dermatologen können sich freuen: Hautkrebs grassiert demnächst auch in einer Körperregion, die davon bisher weitestgehend verschont blieb – der Region unterhalb der Knöchel. Zumindest dann, wenn der „Solafeet Foot Tanner“ sich auf dem Markt durchsetzen wird. Die Sonnenbank für die Füße sieht aus wie ein rechteckiger Sonnenschirmständer mit zwei ovalen Löchern, die nach Einschalten des Geräts grün leuchten. Beworben wird es als „ideal für Flip-Flop-Träger, Tennisspieler und Jogger“. Denn die müssten nun nicht mehr befürchten, dass „die Leute“ ihnen „auf die weißen Füße glotzen“. Das Gerät könne, schwärmt der Hersteller, „binnen fünf bis zehn Tagen“ die Bikini-, pardon: Sockenstreifen an den Fußknöcheln verschwinden lassen – bei einem ultravioletten Fußbad von lediglich einer Viertelstunde pro Tag. Und dann? „Dann“, so die Werbeprosa, „können Sie voll Zuversicht vom Golfplatz zum Clubhaus gehen“. Bisher ist das Untenrum-Solarium, das unter dem Schreibtisch bequem Platz findet, erst auf dem US-Markt zu erstehen. 230 US-Dollar sollte Ihnen die Untenrumbräune aber schon wert sein.

Der Freitag vom 5.11.2009

 

H

 

Hundeleben | Nachdem in München unlängst das Luxus-Hundehotel „Canis Resort“ eröffnete – inklusive Zen-Mediation für den Sinn suchenden Oberschicht-Dackel –, konnte Köln nicht lange schweigen. Hier gibt es nun eine Service-Angebot für Hassos gehobene Alltagswünsche. „Fressen auf Rädern“ heißt es und huldigt dem Motto „Fertigfutter, nein danke!“. Weil Frauchen und Herrchen nicht zugemutet werden kann, stundenlang in der Küche zu stehen, um ihrem Hasso ernährungsmäßig „Abwechslung und Gesundheit pur“ zu bieten, werden die Luxus-Leckerlis nun frei Haus geliefert. Hassos „Wellness-Mix“ darf natürlich nicht irgendein Schlachtabfall, sondern muss „veterinärmedizinisch, als Lebensmittel für den menschlichen Verzehr freigegeben“ sein. Das garantiert der Kooperationspartner „Pansen Express“. Das Einsteigerpaket inklusive Rinderherz und Dorschlebertran gibt es für 50 Euro.

Der Freitag vom 28.5.2009

 

K

 

Kühlschrank-Tresor | Er sieht aus wie ein zusammenklappbarer Plastik-Einkaufskorb minderer Größe, der nach allen Seiten, also auch oben, verschlossen ist. Aber dank des Tragegriffs erinnert er auch an einen Katzentransporter. Außerdem ist vorne ein Schloss daran. Denn der so genannte „Fridge Locker“, eine Art Tresor für den Innenraum eines Kühlschranks, soll verhindern, dass Äpfel, Brote und Mini-Salamis, die im WG- oder Bürokühlschrank lagern, miesen Mundräubern zum Opfer fallen. Der Fridge Locker funktioniert so: Klappe auf. Lebensmittel rein. Klappe zu. Schloss dicht. Ab in den Kühlschrank. Sicher fühlen! Das schöne Wortspiel „Stops Refrig-A-Raiders“ (Refrigerator englisch für Kühlschrank) kann mit „Hält Kühlschrank-Plünderer auf“ nur sehr unzureichend übersetzt werden. Einziger Kritikpunkt: Beim kleinen Hunger zwischendurch mag der Sicherheitskasten Futterneider in die Schranken weisen. Bei richtigem Kohldampf kann er wohl allzu leicht zertrümmert werden.

Der Freitag vom 11.12.2009

 

N

 

Nordkorea-Waren | Schöner Shoppen mit Kim Jong Il: Wer hochwertige Waren aus der Demokratischen Volksrepublik Korea (im Imperialisten-Duktus: Nordkorea) ordern will, der wird im Webshop der Korean Friendship Association bestens bedient. Sage niemand, Chuch’e-Ideologie und E-Commerce schlössen sich aus: „Ideal für Jackett, Kimono etc.“ ist beispielsweise der Bügelflicken, der die Landesflagge nebst der Worte „North Korea“ abbildet (fünf mal sieben Zentimeter, 15 Euro). Von der „weltgrößten Extravaganz“ zeugt die Doppel-DVD Arirang Mass Games. Wer hunderttausende Koreaner bei Massengymnastik und Massentanz im Stadion „Erster Mai“ beobachten möchte, muss 30 Euro überweisen.
Für die lieben Kleinen gibt’s eine Video-CD eines „berühmten Cartoons“ aus dem Land zwischen den Flüssen Tumen und Amrok. Das Cover zeigt einen knuddeligen Bären mit beeindruckendem Raketenwerfer aus heimischer Produktion (15 Euro, nur in koreanischer Sprache). Zum selben Preis und für die Sangesfreudigen werden gleich fünf koreanische Karaoke-DVDs angeboten. Kunden, die DVD eins bestellten, so verrät die Datenbank, kauften auch besonders oft Autogrammkarten von Kim Jong Il. Das Fünferpack geht für 30 Euro über den virtuellen Tresen, was den hohen Kurswert des geliebten Führers belegt. Zum Vergleich: Mit Unterschriften von Andrea Nahles werden weitaus geringere Erlöse erzielt (1,59 Euro plus 90 Cent Versandkosten, bei Ebay). korea-dpr.com/catalog/

Der Freitag vom 22.04.2010

 

Ö

 

Öko-Produkte | Mag die Marktwirtschaft im Großen auch nicht ergrünen, im Kleinen macht sie erhebliche Fortschritte. Die britische Firma Love Honey beispielsweise hat ein Programm zum Recycling ihrer Sexspielzeuge gestartet: Man werde abgenutzte Vibratoren sorgfältig entsorgen, verspricht das Unternehmen, und sicherstellen, dass davon „so viel wie möglich recycelt“ werde. Außerdem bekomme der Einsender einen neuen Freudenspender der Marke Rabbit zum halben Preis. „Rabbit Amnesty“ heißt die Rabbit-Rabatt-Aktion. In den USA gibt es derweil menschgemachten Ökostrom: Dynamos an Trimm-Dich-Rädern erzeugen Elektrizität. Zunächst in der Fitnesskette Green Microgym, wo jeder Radler genug Strom erzeugt, um einen Ein-Meter-Fernseher zu versorgen. In London sind sie schon den einen oder anderen Schritt weiter: Dort wird, zunächst in einem Testgebiet im Osten, die Trittenergie von Fußgängern in Strom verwandelt. Mit der können dann Straßenlaternen betrieben werden. Die Sicht auf den Weg entsteht also beim Gehen – beziehungsweise beim Betreten grün gefärbter Bordsteinplatten. Für die „öko-ikonische Innovation“ werden noch Investoren gesucht. Interessenten melden sich bitte bei der Firma Pavegen Systems.

Der Freitag vom 18.2.2010

 

 

P

 

Protestdesaster | In dicken Lettern steht inzwischen das Thema Ökologie auf der Tagesordnung. Damit erleben auch jene Protestformen ein Revival, die man früher „fantasievolle Aktionen“ zu nennen pflegte. Dass die indes nicht immer von Erfolg gekrönt sein müssen, belegt die „Top Ten Bizarre Environmental Protests“. So scheiterte der Versuch der Tierschutzorganisation PETA, Sexpuppen auf die Philippinen zu schmuggeln, an aufmerksamen Zöllnern. Was die Kampagne gegen Kentucky Fried Chicken („KFC blows!“) unmöglich machte. In Australien saugten Tierschützer lieber eigenmündig einen ganzen Tag lang am Plastikeuter einer Supermarktkuh. Ihr Begehr: Darauf hin­zuweisen, wie schlecht Milch für Kon­sumentengesundheit und Umwelt ist. ­Leider verstand kein potenzieller Nicht-Käufer die etwas widersprüchlich vermittelte Botschaft. Richtig suboptimal verlief aber eine Demonstration von US-Klimaaktivisten in Baltimore: Ausgerechnet im Januar riefen sie „Stoppt die globale Erwärmung!“. Die Lokalpresse reagierte unfreundlich. Ihre Schlagzeile: „Proteste gegen globale Erwärmung mit Schnee überzogen“

Der Freitag vom 3.9.2009

 

 

T

 

 

Teebeutel | Der Deutsche und seine Teebeutel! Otto Waalkes (respektive sein Qualitäts-Gag-Schreiber Robert Gernhardt) hat diese innige Liebe und ihr stets unromantisches Ende einst beschrieben: „Ein deutscher Teebeutel muss nach Nutzung sorgsam getrennt werden in Altpapier, Kompost, Metall und Restabfall.“ Doch das ist nur eine Meinung. Noch immer tobt die Debatte über die fachgerechte Entsorgung des Einmal-Filters, die „wegen der Umwelt“ (Richy Rich auf Yahoo Clever) angeraten sei. Aber was zur Hölle soll man mit dem ominösen Säckchen vorher anstellen? Youtube-Nutzer Herbarius, wohnhaft in Münster, Westfalen, weiß die Antwort. Zusammen mit zwei Kumpels hat er nämlich die Teebeutel-Hochheb-Maschine erfunden, auch lapidar TeHoMa genannt. Vom Design her angesiedelt irgendwo zwischen Fischertechnik-Metallbaukasten und Obi-Reste-Ecke, soll dieses innovative Gerät „das Leben von Menschen nachhaltig erleichtern“. Selbstredend betont Herbarius insbesondere den Umwelt-Aspekt, der sich allerdings nicht auf den ersten Blick erschließt. Auch wenn ihr Name anderes suggeriert: Die Teebeutel-Hochheb-Maschine ist multifunktional. Sie kann den Teebeutel nämlich auch in die Tasse absenken.

Der Freitag vom 22.10.2009

 

Trotzkisten | Am 7. November wäre der russische Revolutionär Leo Trotzki, wichtigster Mitstreiter Lenins und Gründer der Roten Armee, 130 Jahre alt geworden. Was machen eigentlich jene Linken, die sich in Trotzkis Tradition sehen, heute? Nun, Trotzkisten streiten. Meistens miteinander: War die Sowjetunion ein „degenerierter Arbeiterstaat“ oder ein „deformierter Arbeiterstaat“? Wegen solch Weltproletariat bewegender Fragen sollen sich schon ganze trotzkistische Parteien gespaltet haben. Woraufhin sich die Spaltprodukte nochmals spalten – zwecks erneuter Spaltung. Möglicher Trennungsgrund: Die Einen halten den längst verblichenen „degenerierten Arbeiterstaat“ für fortschrittlich, die Anderen für reaktionär.

IS und isl: zwei trotzkistische Parteien in Deutschland. Zwei von vielen…

Die Konsequenz: Auch in Deutschland existieren ziemlich viele Kleinstparteien in der Nachfolge Leo Trotzkis. Natürlich bilden die internationale sozialistische linke (isl), die Internationalen Sozialisten (IS) und all ihre Stiefschwesterparteien jeweils eine eigene Internationale. Manchmal fusionieren die Trotzki- Freaks auch – zum Beispiel mit ihren eigentlichen Todfeinden. So verschmolzen die trotzkistische GIM und die stalinistisch-maoistische KPD/ML (Roter Morgen) zur Vereinigten Sozialistischen Partei (VSP). Das war 1986. Teile der VSP bildeten später die isl, andere den den Revolutionär Sozialistischen Bund (RSB). Zum Politikmachen bleibt bei all dem Trubel natürlich wenig Zeit. Der Klassenfeind lacht sich ins Fäustchen. Viele Details dieser höchst amüsanten Vorgänge liefert etwa ein aus der Szene selbst stammender Vortrag: „Die trotzkistische Bewegung in Deutschland“. Anhören!

Der Freitag vom 5.11.2009

 

V

 

Verdienstmöglichkeit | Sie sind auf der Suche nach einer neuen Erwerbsquelle? Dann fahnden Sie doch einfach bei Ebay nach Astrovitalis, der Astrologie Software! Für 49 Euro bekommen Sie alles, was Sie zum Start in die neue Existenz benötigen. Das Paket umfasst einen sechzehnstündigen Sternzeichen-Kurs und „1 Gewerbe-Lizenz“. Behördlicherseits wird Ihr künftiges Business unter dem schönen Label „Analysen erstellen & verkaufen – ohne Abgaben“ geführt. Das „tiefgründigste Produkt für jeden Astrologie-Interessierten“ richtet sich auch an Lebensberater, Ärzte und Psychologen, die mit ihrem ach so rationalen Latein am Ende sind. Es verspricht Antworten auf die Frage nach dem Warum von Krankheits-Symptomen. Und liefert auch gleich die Heilmethoden mit. Natürlich ist das alles hochgradig seriös, schließlich kann der CD-Urheber Peter-Johannes Hensel auf „20.000 Stunden Unterrichtserfahrung“ als Seminarleiter verweisen. Also akkumuliert 2,27 Jahre. Auch die „5.000 Klienten“, denen er als „astrologischer Lebens- und Konfliktberater“ zur Hilfe eilt, können schlicht nicht irren. Warum Hensel sich allerdings ohne Not Konkurrenz heran züchtet, steht in den Sternen.

Der Freitag vom 25.3.2010

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