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Willkommen, Garzweiler! Glück auf, Solar Valley.

Wolfgang Clement will den Umweltschutz voranbringen. Und daher Solartechnik und Kohle fördern. Die Photovoltaik mit Millionen, das schwarze Gold weiterhin mit Milliarden


Erschienen in der taz ruhr vom 18.11.1999

Wolfgang Clement verteilt Streicheleinheiten. "Sowohl unsere Steinkohle- als auch
unsere Braunkohlekraftwerke sind high-tech-Anlagen", sagt er auf dem Steinkohletag '99 in Essen. Das Motto  der Veranstaltung: "Steinkohle - die Energie für heute und morgen." Ganz nach dem Geschmack Clements. Die Aussichten der heimischen Kohle seien "nichtschlecht, wenn wir gemeinsam handeln", so der Bundes-SPD-Vize in spe.

Doch der Wettbewerb auf dem Energiemarkt müsse so gestaltet werden, daß er "allen Energieträgern
Chancengleichheit einräumt". Gleiche Chancen - auch für die milliardenschwer subventionierte heimische Kohle? Eher gleichere. Und deswegen erneuert Clement seine Kritik an der Bevorzugung effizienter Gaskraftwerke durch die zweite Stufe der Ökosteuerreform. Kein Energieträger dürfe besonders begünstigt werden, "nur weil er scheinbar besonders umweltfreundlich ist". Sondern höchstens, so muß man wohl ergänzen: wenn er SPD-klientelfreundlich ist. Clement: "Das Projekt Garzweiler II und die damit verbundenen Investitionen dürfen nicht gefährdet werden. Garzweiler II muß kommen!"

Erneuerbare Energien erwähnt der Bochumer auch. In einem Nebensatz. Gleich nach der Passage über die
Anstrengungen, "die heimische Stein- und Braunkohle so umweltfreundlich und effizient wie möglich zu verstromen". Und das an dem Tag, an dem sein Bundesland einen entscheidenden Schritt "auf dem Weg von der Kohle zur Sonne", ja mithin zum "Solar Valley" macht! Doch davon redet Clement erst eine Station später. Vor einer anderen Lobby. Bei der feierlichen Eröffnung der modernsten Solarzellenfabrik der Welt. Der größten Europas. Und der schönsten Gelsenkirchen-Rotthausens.

Einer Fabrik, mit der man zudem späteren Landesvätern wenig Ärger einhandelt. Denn die Produktion verläuft vollautomatisch, lediglich fünf Arbeiter pro Schicht sehen nach dem Rechten. Wen wird´s stören, wenn dereinst
fünfzehn Solar-Kumpel auf die Straße gehen, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu kämpfen?

"Das ist wirklich ein Traum, der in Erfüllung geht", freut sich Clement über die Eröffnung der Produktionsstätte.
Doch er findet auch mahnende Worte: Die Weichen, fordert Clement, müßten so gestellt werden, daß die erneuerbaren Energien "eine nennenswerte Rolle übernehmen". Kein Wunder, daß das als besonders solarfreundlich geltende Land die Shell-Fabrik mit sechs Millionen Mark gefördert hat. Und auch die Solaranlage in der Auf-Schalke-Arena, der Nachfolgerin der alten Arbeiterkampfbahn des S 04, bezuschussen will, wie Clement ankündigt. "Glück auf!", verabschiedet sich der SPD-Mann.

Auch für die Kohle-Kumpels geht ein Traum in Erfüllung. Ein Alptraum. Die Kohle paßt sich der Solarenergie
an. Jedenfalls was die Anzahl der Beschäftigten betrifft. Für das kommende Jahr ist die Streichung von rund 12.000 Arbeitsplätzen geplant. Im Jahr 2001 sollen zusätzlich rund 8.000 Stellen wegfallen, kündigte der Vorstandsvorsitzende des Essener RAG-Konzerns, Gerhard Neipp, auf dem Essener Steinkohletag an. Im laufenden Jahr wurde die Belegschaft bereits um rund 6.000 Beschäftigte auf 66.000 Mitarbeiter reduziert. Glück auf auch.

Marcus Meier

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